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Sally Perel – „Ich war Hitlerjunge Salomon“

Zeitzeuge des Holocaust berichet

Perel schilderte seine Biographie, die so unglaublich erscheint, aber doch wahr ist. Als jüdisches Kind mit den Eltern nach Polen emigriert, 1939 Flucht vor den Einheiten der Wehrmacht, Leben in einem sowjetischen Kinderheim, nach der Besetzung durch deutsche Truppen vergräbt er hastig seine Papiere und gibt sich als Volksdeutscher aus, der von den deutschen Soldaten als Dolmetscher eingesetzt wird und schließlich auf eine Eliteschule der Nationalsozialisten wechselt.
Ständig begleitet von der Angst, dass er entdeckt wird, dient er treu in der Hitlerjugend, wird mit der Ideologie konfrontiert, manipuliert und lernt die Wirkungsweise des Regimes kennen. Opfer und Täter in einer Person, die aber immer an das Schicksal der Eltern denkt und deshalb Weihnachten 1943 nach Lodz fährt, um mit der Straßenbahn tagelang durch das Ghetto zu fahren. Das Elend, was er dort erlebt, kann man nicht beschreiben, sagte er den Besuchern der Veranstaltung, das Vertrauen in Gott habe er angesichts des Völkermordes an den Juden verloren.
Sally Perel gelang es, die Zuhörer zu fesseln und auf die Probleme von Diktaturen aufmerksam zu machen, warnte vor blindem Vertrauen und zeigte Gefahren auf, die durch übertriebenen Nationalismus auftreten können. Die NPD im sächsischen Landtag wäre ein Beispiel dafür. Der 89jährige versprühte einen unbändigen Elan, wirkte kraftvoll und gab zu verstehen, dass er mit seinem Auftreten als Zeitzeuge auch das Publikum in die Verantwortung nehme, denn nun wäre es ebenfalls als Zeitzeuge unterwegs und habe die Aufgabe, Kindern und Enkeln von seiner Geschichte zu erzählen.
Sally Perel setzt sich auch kritisch mit der derzeitigen israelischen Politik gegenüber den Palästinensern auseinander und sieht in der Bombardierung von Krankenhäusern und Wohngebieten keine Lösung der Problematik. Er selbst hat die schmerzlichen Erfahrungen, die durch Hass und Krieg ausgelöst werden, in der Lebensgeschichte seiner Familie gesammelt.
Perel stellte sich nach der Lesung den Fragen der Anwesenden und signierte eine große Anzahl seiner Bücher. Das große Interesse an seiner Geschichte, die ein Teil der deutschen Vergangenheit darstellt, kam auch hier zum Ausdruck. Viele gingen erst aus dem Saal, nachdem sie sich ein Buch oder eine DVD gekauft hatten.
Lebendiger und authentischer kann Geschichte nicht vermittelt werden – wir haben es in der Hand, unsere Zukunft zu gestalten, die Hass und Terror keine Chance gibt.